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Der freudenreiche Rosenkranz
Kein Titel

Betrachtungen zum freudenreichen Rosenkranz
mit Texten aus der hl. Schrift, dem Katechismus der kath. Kirche und des hl. Josemaría Escrivá

1. Geheimnis: "den du, o Jungfrau vom heiligen Geist empfangen hast"


 
"Im sechsten Monat wurde der Engel Gabriel von Gott in eine Stadt in Galiläa namens Nazareth zu einer Jungfrau gesandt. Sie war mit einem Mann namens Josef verlobt, der aus dem Haus David stammte. Der Name der Jungfrau war Maria." (Lk 1,26-27)

 "Die Verkündigung an Maria eröffnet die ,,Fülle der Zeit" (Gal 4,4):Die Verheißungen gehen in Erfüllung, die Vorbereitungen sind  vollendet" (KKK, 484).

  Vergiß nicht, mein Freund, daß wir Kinder sind. Die Frau mit dem liebenswerten Namen, Maria, ist ins Gebet vertieft. Du kannst in  jenem Haus das sein, was du gern möchtest: ein Freund oder Diener, ein Neugieriger, ein Nachbar... Ich traue mich nicht, überhaupt etwas zu sein. Ich verberge mich hinter dir und betrachte voll Staunen die Szene: Der Erzengel verkündet seine Botschaft... "Quomodo fiet istud, quoniam virum non cognosco?" – Wie soll das geschehen, da ich keinen Mann erkenne? (Lk 1,34) Die Stimme unserer Mutter ruft mir dagegen alle Unreinheit der Menschen in Erinnerung... auch die meine. Wie hasse ich jetzt diese gemeinen irdischen Erbärmlichkeiten!... Welche Vorsätze! "Fiat mihi secundum verbum tuum." Mir geschehe nach deinem Wort (Lk 1,38). Beim wunderbaren Aussprechen dieser jungfräulichen Antwort ist das Wort Fleisch geworden. Das erste Gesätz geht zu Ende... Noch habe ich Zeit, meinem Gott eher als jeder andere zu sagen: Jesus, ich liebe Dich.

2. Geheimnis: "den du, o Jungfrau zu Elisabeth getragen hast"

 "In jenen Tagen machte sich Maria auf den Weg und eilte in eine Stadt im Bergland von Judäa. Sie ging in das Haus des Zacharias und begrüßte Elisabeth. Als Elisabeth den Gruß Mariens hörte, hüpfte das Kind in ihrem Leib. Da wurde Elisabeth vom Heiligen Geist erfüllt und rief mit lauter Stimme: Gesegnet bist du mehr als alle anderen Frauen, und gesegnet ist die Frucht deines Leibes." (Lk 1,39-42)

 "Im Besuch Mariens bei Elisabeth hat so Gott selbst "sein Volk besucht" (KKK, 717).

 Jetzt, mein Kind und Freund, weißt du dich schon allein zurechtzufinden. Begleite freudig Josef und Maria... und lausche der Geschichte des Hauses David: von Elisabeth und Zacharias wird man sprechen, du wirst von der lauteren Liebe Josefs bewegt sein, und jedesmal, wenn sie das Kind erwähnen, das in Bethlehem geboren werden soll, wird dein Herz schneller schlagen. Wir eilen in eine Stadt im Bergland von Judäa (Lk 1,39). Wir sind da. Es ist das Haus, wo Johannes der Täufer geboren wird. – Elisabeth ruft voll Dankbarkeit der Mutter ihres Erlösers zu: Du bist gebenedeit unter allen Frauen und gebenedeit ist die Frucht deines Leibes. – Wer bin ich, daß die Mutter meines Herrn zu mir kommt? (Lk 1,42-43) Der Täufer hüpft in ihrem Schoß... (Lk 1,41). – Die Demut Mariens zeigt sich im Magnificat... Und du und ich, die wir stolz sind, die wir stolz waren, versprechen, demütig zu sein.

3. Geheimnis: "den du, o Jungfrau, zu Bethlehem geboren hast"

 "In jenen Tagen erließ Kaiser Augustus den Befehl, alle Bewohner des Reiches in Steuerlisten einzutragen. Dies geschah zum erstenmal; damals war Quirinius Statthalter von Syrien. Da ging jeder in seine Stadt, um sich eintragen zu lassen. So zog auch Josef von der Stadt Nazareth in Galiläa hinauf nach Judäa in die Stadt Davids, die Bethlehem heißt; denn er war aus dem Haus und Geschlecht Davids. Er wollte sich eintragen lassen mit Maria, seiner Verlobten, die ein Kind erwartete. Als sie dort waren, kam für Maria die Zeit ihrer Niederkunft, und sie gebar ihren Sohn, den Erstgeborenen. Sie wickelte ihn in Windeln und legte ihn in eine Krippe, weil in der Herberge kein Platz für sie war" (Lk 2,1-7).

 "Jesus kam in der Armseligkeit eines Stalles zur Welt, in einer unbegüterten Familie; schlichte Hirten sind die ersten Zeugen des Ereignisses. In dieser Armut erstrahlt die Herrlichkeit des Himmels" (KKK, 525).

 Ein Befehl ging von Kaiser Augustus aus, alle Bewohner des Reiches aufzuzeichnen. Jeder mußte daher in seine Vaterstadt gehen. – Auch Josef reist mit der Jungfrau Maria von Nazareth nach Judäa in die Stadt, die Bethlehem heißt, da er aus dem Haus und Geschlecht Davids ist (Lk 2,1-5). Und in Bethlehem kommt unser Gott zur Welt: Jesus Christus! – In einem Stall, denn in der Herberge gibt es keinen Platz. Seine Mutter wickelt Ihn in Windeln und legt Ihn in eine Krippe (Lk 2,7). Kalt. – Ärmlich. – Ich bin Josefs Diener. Wie gut er ist! – Er behandelt mich wie seinen Sohn. – Und er verdenkt es mir nicht, wenn ich das Kind in meine Arme nehme und Es unter zärtlichen, glühenden Worten Stunde um Stunde halte! Ich küsse Es – tu du es auch – und ich wiege Es in meinen Armen, und singe vor Ihm und nenne Es König, Liebe, mein Gott mein Ein und mein Alles!... Wie liebenswert ist das Kind... und wie kurz das Gesätz.

4. Geheimnis: "den du, o Jungfrau, im Tempel aufgeopfert hast"

"Als acht Tage vorüber waren und das Kind beschnitten werden sollte, gab man ihm den Namen Jesus, den der Engel genannt hatte, noch ehe das Kind im Schoß seiner Mutter empfangen wurde. Dann kam für sie der Tag der vom Gesetz des Mose vorgeschriebenen Reinigung. Sie brachten das Kind nach Jerusalem hinauf, um es dem Herrn zu weihen, gemäß dem Gesetz des Herrn, in dem es heißt: Jede männliche Erstgeburt soll dem Herrn geweiht sein. Auch wollten sie ihr Opfer darbringen, wie es das Gesetz des Herrn vorschreibt: ein Paar Turteltauben oder zwei junge Tauben" (Lk 2,21-24).

"Die Beschneidung Jesu am achten Tag nach seiner Geburt ist Zeichen dafür, daß er in die Nachkommenschaft Abrahams, in das Bundesvolk eingegliedert, dem Gesetz unterworfen ist" (KKK, 527)

Als die Tage der Reinigung der Mutter nach dem Gesetz des Moses erfüllt waren, mußten sie mit dem Kind nach Jerusalem gehen, um Es dem Herrn darzustellen (Lk 2,22). Und diesmal bist du es, mein Freund, der den Korb mit den Turteltauben trägt. Siehst du? Sie, die Unbefleckte, unterwirft sich dem Gesetz, als ob sie der Reinigung bedürfte Lehrt dich dieses Beispiel nicht, mein törichtes Kind, das heilige Gesetz Gottes trotz aller persönlichen Opfer zu erfüllen? Sich reinigen! Du und ich, wir brauchen wirklich Läuterung! – Sühne, und weit mehr als nur das: die Liebe. Eine Liebe, die wie ein glühendes Eisen den Schmutz von unserer Seele wegbrennt, die wie ein Feuer unsere armseligen Herzen mit göttlichen Flammen entzündet. Ein gerechter und gottesfürchtiger Mann ist auf Eingebung des Heiligen Geistes in den Tempel gekommen. Ihm war geoffenbart worden, er werde den Tod nicht schauen, bevor er Christus gesehen habe. Er nimmt den Messias in seine Arme und spricht: Nun lässt Du, Herr, Deinen Knecht nach Deinem Wort in Frieden scheiden... denn meine Augen haben den Heiland geschaut (Lk 2,25-30).

5. Geheimnis: "den du, o Jungfrau, im Tempel wiedergefunden hast"

"Die Eltern Jesu gingen jedes Jahr zum Paschafest nach Jerusalem. Als er zwölf Jahre alt geworden war, zogen sie wieder hinauf, wie es dem Festbrauch entsprach. Nachdem die Festtage zu Ende waren, machten sie sich auf den Heimweg. Der junge Jesus aber blieb in Jerusalem, ohne daß seine Eltern es merkten...

Nach drei Tagen fanden sie ihn im Tempel; er saß mitten unter den Lehrern, hörte ihnen zu und stellte Fragen. Alle, die ihn hörten, waren erstaunt über sein Verständnis und über seine Antworten" (Lk 2,41-43.46-47).

"Das Wiederfinden Jesu im Tempel , ist das einzige Ereignis, das das Schweigen der Evangelien über die verborgenen Jahre Jesu unterbricht. Jesus läßt darin das Mysterium seiner ganzen Hingabe an die Sendung erahnen, die sich aus seiner Gottessohnschaft ergibt: ,Wußtet ihr nicht, daß ich in dem sein muß, was meines Vaters ist?'" (KKK, 534)

Wo ist Jesus? Herrin, das Kind... wo ist Es? Maria weint. – Vergeblich sind du und ich schon von einer Gruppe zur anderen, von der einen Reisegesellschaft zur nächsten gelaufen: Sie haben Ihn nicht gesehen. – Umsonst versucht Josef, seine Tränen zurückzuhalten – jetzt weint auch er... Und du... und ich... Ich weine mir die Augen aus, da ich nun einmal ein grober Kerl bin, und ich schreie zum Himmel auf und beklage die Zeit da ich Ihn durch meine Schuld verlor und nicht weinte. Jesus: daß ich Dich niemals mehr verliere... Und jetzt sind wir, du, mein Freund, und ich, im Unglück und im Schmerz verbunden, so wie wir in der Sünde verbunden sind. Und aus unserem Innersten steigen Seufzer tiefer Zerknirschung und Worte voll Inbrunst, die keine Feder aufschreiben kann noch darf. Dann, welcher Trost – drei Tage war Er verschwunden – welche Freude, Jesus wiederzufinden, wie Er mit den Gelehrten Israels disputiert (Lk 2,46). Und deiner Seele und meiner bleibt die Verpflichtung fest eingeprägt, Haus und Familie zu verlassen, um dem himmlischen Vater zu dienen.


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